Wachsworkshop

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Was machen die Imker im Winter? 

Wenn Leute sich in Garagen treffen, dann denkt man an geniale Tüftler, die ein Wirtschaftsimperium gründen, Dinge erfinden, die die Welt verändern. Vielleicht noch an Schrauber, die alte Motorräder wieder flott machen und wochenends mit einem Bierchen vor der Bastler-Garage stehen. An Imker denken wohl die wenigsten. Die stellt man sich eher am Bienenstand auf einer blühenden Wiese vor.

Aber auch der schönste Sommer geht einmal vorbei, die Bienen sind in ihrem Stock zum Schutz vor der Kälte eng zusammengerückt und der Imker sollte sie lieber nicht stören. Für ihn heißt es jetzt Werkzeuge reparieren und die Bienenkästen für das nächste Jahr vorbereiten. Denn legt die Bienenkönigin im Frühjahr erst wieder Eier, darf man keine Zeit verlieren. Da können in einem Volk täglich bis zu zweitausend Bienen schlüpfen. Die Aufgabe des Imkers ist es für entsprechenden „Wohnraum“ zu sorgen. Dazu hängt er seinen Bienen vorgeprägte Wachsplatten, sogenannte Mittelwände, die vorsichtig in drahtbespannte Holzrähmchen eingelötet werden, in den Bienenkasten. Die Arbeiterinnen im Bienenvolk bauen dann auf diese Platten ihre Waben mit den sechseckigen Zellen und zwar mit eigenem Wachs, das sie aus ihren Wachsdrüsen ausschwitzen. Nach zwei bis drei Jahren sind die Waben sozusagen abgewohnt, das Wachs wird immer dunkler und die müssen die Waben durch neue Mittelwände ersetzt werden.

Das Wachs ist das Gedächtnis vieler Imkerjahre. Pflanzenschutzmittel, Bienenschutzpräparate, alles was die Bienen aufnehmen ist im Wachs konserviert. Der Großhandel bietet Mittelwände an, die aus Bienenwachs von allen Teilen der Erde stammen. Selbstverständlich wird das eingesammelte Wachs regelmäßig auf Schadstoffe kontrolliert. Auch dieser Grundstoff der Imkerei unterliegt Grenzwerten, die eingehalten werden müssen. Immer mehr Imker setzen aber auf einen natürlichen biologischen Kreislauf. Es ist ihnen ein Anliegen, zu wissen woher, das Wachs stammt – nämlich am besten von den eigenen Bienen. Und sie legen Wert darauf, dass dieser wertvolle Baustoff der Bienen nicht im Müll entsorgt, sondern gereinigt und wieder verwertet wird. Alte Waben einzuschmelzen, und daraus neue Mittelwände zu gießen ist eine knifflige Angelegenheit. Man braucht dafür einige Übung und auch entsprechendes Werkzeug. Und hier kommt nun die Garage ins Spiel.DSCN3972

Alois Bredel vom Imkerverein Ingelheim-Bingen macht das nämlich in seiner Garage in Waldalgesheim schon seit vielen Jahren. Von seiner Erfahrung sollen nun jüngere Imker profitieren. Vereins-Vorsitzender Müller sagt, die Imkerei habe lange Zeit ein Schattendasein geführt. Wissen drohte mit den alten Imkern auszusterben. Für unseren Verein ist des deshalb unglaublich wichtig, sagt Müller, dass die Alten ihr Wissen an die Jüngeren weitergeben. Deshalb bieten unsere erfahrenen Imker solche Workshops wie das „Wachsgießen“ an. Das Interesse ist groß. An einem Samstag haben sich in der Garage von Alois Bredel zwanzig Jungimker versammelt und fachsimpeln bei heißem Orangensaft über das vergangene Bienenjahr.

In der Garage stehen schon Ziegelstein große Wachsblöcke, die auf die Weiterverarbeitung warten. Auf einem Arbeitstisch liegen die Gießformen für die Mittelwände, daneben eine Fritteuse zum Wachsschmelzen. Trichter, Feinsiebe und Schöpfkellen hängen an den Wänden. Vor der Garage arbeiten (blubbern) zwei Dampfwachsschmelzer und zu Anschauungszwecken stehen da auch zwei Sonnenwachsschmelzer, in denen im Sommer die Sonnenenergie zum Wachsschmelzen genutzt wird.DSCN3957

Die alten Bienenwaben in den Dampfwachsschmelzern benötigen mindestens eine Stunde bis sich das geschmolzene Wachs in einer Wanne gesammelt hat. Aber so kann es nicht verwendet werden. Weil es noch zu viele Wabenreste enthält, muss es in weiteren Schmelzgängen noch gründlich geklärt werden. Dazu wird das heiße, flüssige Wachs durch ein Vlies gegossen, so dass auch die kleinsten Schmutzpartikel aufgefangen werden und nur reinstes Wachs zurückbleibt.

Während sich die Garage langsam mit dem süßen Duft des schmelzenden Bienenwachses füllt , zeigt Bredel den Jungimkern wie aus gereinigten Wachsblöcken Mittelwände gegossen. Die Blöcke werden in einer mit etwas Wasser gefüllten Fritteuse auf ca. 80 Grad erhitzt. Damit das Wachs seine goldgelbe Farbe erhält, wird Regenwasser verwenden oder es werden ein paar Spritzer Zitronensäure beigemischt.

Und jetzt kommt auch tatsächlich noch der Alkohol zum Einsatz, wie es sich für ein richtiges Garagentreffen gehört – allerdings anders als gedacht. Bredel hat herausgefunden, dass vierzigprozentiger Wodka sich gut eignet, um die Wachsplatten wieder aus der Gussform herauszulösen. Er sprüht die Form mit dem Wodka ein, gießt das flüssige Wachs mit einer Kelle in die Gussform und presst sie wie ein Waffeleisen zusammen. Schon nach dreißig Sekunden ist die erste Wachsplatte, also Mittelwand fertig. Behausung für schätzungsweise 4000 Eier, aus denen ebenso viele Bienen schlüpfen.DSCN3973

Ein Bienenvolk produziert etwa ein Kilo Wachs pro Jahr. Die Arbeiterinnen schwitzen es sich im wahrsten Sinne des Wortes aus den Rippen. Sie stellen es aus den Zuckern des Honigs her und stoßen es als feine helle Plättchen aus einer Drüse im Hinterleib aus. Man muss sich das mal bewusst machen: Für eine kleine Kerze auf dem Weihnachtstisch arbeiten 25000 Bienen einen ganzen Sommer lang. Die Bienen schenken dem Imker nicht nur ihren wunderbaren Honig, sondern auch kostbares Bienenwachs. Das ist der Stoff mit dem sich die Imker im Winter beschäftigen.

Der Kreisimkerverein Ingelheim veranstaltet seit vielen Jahren Einführungskurse für Neu-Imker. Der nächste Neuimkerkurs ist bereits mit 25 Teilnehmern ausgebucht. Neben der Neuimkerausbildung, werden 2015 auch wieder einige Interessante Vorträge, Workshops und öffentliche Veranstaltungen angeboten.

Besuchen Sie uns doch einfach mal zu einer unserer Monatsversammlungen.

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