KIV Ingelheim-Bingen startet Forschungsprojekt

KIV Ingelheim-Bingen startet Forschungsprojekt

Einsatz von Raubmilben im Honigbienenstock

Ausgabe der Raubmilben. Imkerinnen und Imker aus dem Kreisimkerverein Ingelheim-Bingen testen ab sofort ein neues Mittel gegen die Varroamilbe.

Als die Schülerin Laura Höltje im Januar 2019 beim Kreis-Imkerverein Ingelheim-Bingen e.V. einen Vortrag über ihr “Jugend forscht”-Projekt hielt, stieß sie auf großes Interesse. Bereits mit 11 Jahren hatte die junge Forscherin begonnen, sich mit dem gezielten Einsatz von Raubmilben in einem Bienenstock zu beschäftigen. Die Varroamilbe gilt seit etlichen Jahren als größter Feind der Honigbienen. Diesen wahrscheinlich aus dem asiatischen Raum eingeschleppten Parasit bekämpfen Imker im Spätherbst mit organischen Säuren. Eine Methode, die bislang oft als alternativlos gilt – und gleichzeitig einen massiven Eingriff in ein Bienenvolk darstellt. Laura Höltjes Ansatz ist dagegen ein rein biologischer: Sie setzt sogenannte Raubmilben in ihr Bienenvolk ein, die seit vielen Jahren in der Hühnerzucht genutzt werden und die der natürliche Feind der Varroamilbe sind. Die Ergebnisse ihrer Forschung brachten ihr bei Jugend forscht gleich mehrere Preise ein. Allerdings war ihr Experiment nur auf wenige Völker begrenzt. Gleich mehrere Imker des KIV Ingelheim-Bingen nahmen sich vor, den Einsatz von Raubmilben im Bienenstock im größeren Maßstab zu testen. Eine Arbeitsgruppe erarbeitete einen Plan, um den Erfolg dieser neuen Methode zu überprüfen. “Wir möchten sehen, ob wir die Säurebehandlung im Spätherbst durch den Einsatz von Raubmilben ersetzen können. Damit wir dazu eine wissenschaftliche Aussagekraft erreichen, haben wir einen einheitlichen Behandlungsplan mit zugehöriger Dokumentation erarbeitet”, sagt Kristina Käfer, Obfrau für Bienengesundheit beim KIV Ingelheim-Bingen.

Immer paarweise: Ein Bienenstock erhält Raubmilben, der andere dient der Kontrolle.

Mit insgesamt 60 Völkern beteiligen sich 26 Imkerinnen und Imker an der Studie. Dabei sind mindestens zwei Völker Pflicht für die Teilnahme, denn lediglich ein Volk bekommt die Raubmilben eingesetzt, das andere Volk dient der Kontrolle und wird wie bisher geführt. Mitte April startete bereits die heiße Phase. Die Arbeitsgruppe hatte die Raubmilben zentral besorgt und verteilte diese zusammen mit Dokumentationsunterlagen an die Imkerinnen und Imker.

“Für die zufällige Zuteilung haben wir Unterstützung von einer unabhängigen Statistikerin, Dr. Anja Sander, bekommen”, freut sich Dr. Barbara Peil, die Kassenwart im Verein ist. Sie selbst hat ihre Doktorarbeit im Bereich Biostatistik geschrieben und ist deswegen von Anfang an in der Projektgruppe dabei.  “Erst bei der Ausgabe haben die teilnehmenden Imkerinnen und Imker erfahren, welches Volk die Raubmilben bekommt und welches Volk die Kontrollgruppe ist.” Eine solche Randomisierung sei in der Wissenschaft Standard.

Weil die Raubmilben-Methode noch so neu ist, gibt es kein System, wie die Raubmilben in den Bienenstock eingesetzt werden. Die Imkerinnen und Imker mussten deswegen selbst kreativ werden und eine bienenverträgliche Vorrichtung für das Granulat entwerfen – hier aus einer Tüte Milch.

“Ab jetzt müssen wir uns gedulden: Erst im Spätherbst werden wir wissen, ob die Zahl der Varroamilben in den Völkern so niedrig ist, dass eine Säurebehandlung nicht notwendig ist”, sagt Kristina Käfer. Festgelegt ist bereits, wann und wie die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihre Völker auf Varroabefall kontrollieren. Am 20. Juli ist die erste Untersuchung mit der Puderzuckermethode angesetzt, einer etablierten Methode zur Befallskontrolle, am 31. August die zweite. Nur wenn bei der ersten Kontrolle maximal fünf oder bei der zweiten Kontrolle maximal zehn adulte Varroen zu finden sind, kann die herkömmliche Säurebehandlung ausfallen. “Die Imker dokumentieren über ein Jahr die Behandlung, Honigentnahme und besondere Ereignisse wie Schwärme oder Völkerverluste. Wir sammeln die Daten und werten die Ergebnisse aus”, so Dr. Barbara Peil.

Nach der Prozedur mit dem Puderzucker sehen die Bienen zuckersüß aus. Diese sanfte Methode, um das Ausmaß des Varroabefalls zu ermitteln, schadet den Insekten allerdings nicht.

“Mit einer Mischung aus Skepsis und Hoffnung, auf jeden Fall aber großer Neugierde, freuen wir uns auf die ersten Daten im Herbst 2019 und die finalen Daten im März 2020”, sagt Kristina Käfer. Der Kreis-Imkerverein Ingelheim-Bingen unterstützt die Studie finanziell. Sowohl die Raubmilben als auch die Geräte für die Befallskontrolle bezahlt der gemeinnützige Verein. 2020 wird die Arbeitsgruppe die Ergebnisse dann präsentieren.


Für alle teilnehmenden Imkerinnen und Imker gibt es Fragebögen, um die Ergebnisse des Forschungsprojektes genau zu dokumentieren.

Für die Raubmilben-Arbeitsgruppe: Kristina Käfer, Klaus Osten, Elmar Weidinger, Dr. Barbara Peil, Hubertus Peil und Vlad Blesch


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